**** Nimm's mir nicht übel, sbmqi90, aber weder muss man als aufgeschlossener Musikhörer die Musikdefinition eines Menschen akzeptieren, der sich in seinem Musikgeschmack kaum bis gar nicht über die Grenzen der Charts hinaustraut, noch muss man seine Aussagen zum "Zweck" von Musik (Lass mich raten, Parday, Stimmung, gude Launäääh? Oder zum Abschalten nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag?) anerkennen. Und schon gar nicht muss ich mir von dir sagen lassen, ich sei geschmacksverwirrt.
Erster Eindruck: Björk macht da weiter, wo sie mit "Volta" aufgehört hat, und plätschert langsam und gemächlich weiter in Richtung Bedeutungslosigkeit. Keine erkennbaren Songstrukturen und praktisch keine großartigen erinnerlichen Melodien fordern allerdings einige weitere Durchläufe heraus, und siehe da, so uninteressant ist das gar nicht. Es ist nur nicht der spektakuläre Kraftakt, den ich mir immer noch von ihr erhoffe, leider sogar der für mich schwächste Albumopener, den sie je hatte, wenn man ihre ersten Gehversuche aus den Siebzigern ausklammert (zum Vergleich: "Human Behaviour", "Army of Me", "Hunter"(!!), "Hidden Place", "Pleasure Is All Mine", "Earth Intruders"(!!)); aber das repetitive Harfenspiel als Unterbau hat seinen gewissen Reiz, und Björk lässt ihre Stimme sehr frei flottieren - man fragt sich, ob das reiner musikalischer Wildwuchs ist, oder ob da doch ein gewisses System dahintersteckt. Ein gutes, solides Stück, das zum Auskundschaften einlädt.
EDIT: Hallo, und danke für die zivilisierte Antwort! Akzeptiert, damit sind wir mehr als quitt. Nun muss auch ich mich für die Bemerkung in Klammern entschuldigen, das war sicher auch nicht die feine englische Art. Schade, dass du so selten die Geduld aufbringst, die es braucht, um ein Stück oder gar ein ganzes Album erst einmal "auszukundschaften" (bah, blödes Wort :D) - ich war ja auch mal ein Popmusikhörer, lang, lang ist's her, bis ich erfuhr (Radiohead waren da wohl meine wichtigsten Lehrmeister), dass es gelegentlich auch Musik gibt, die beim wiederholten Hören auf eine beachtliche Größe anwachsen kann. Ich werde dir allerdings nicht vorschreiben, dich so lange mit Björk in deine Kemenate einzuschließen, bis du dich an sie gewöhnt hast, das wäre nicht wirklich zielführend. :D Und ob ich immer das nötige Fachwissen habe, um einen Song zu sezieren, das wage ich doch ganz stark zu bezweifeln, da bin ich in vielen Fällen auch bloß ein Amateur. So bescheiden bin ich grade noch. Aber manchmal steige ich dann doch einigermaßen dahinter, und das ist immer wieder ein nettes Erlebnis.
Ja, die Sache wäre für mich auch so ziemlich geklärt. Danke nochmal für die Replik! Last edited: 08/10/2011 11:15 |