| ****** Eine der stilbildenden Gruppen des Hard- und Heavyrocks der 70er Jahre war zweifelsfrei Deep Purple. Mit den Alben „Deep Purple In Rock“ (1970), „Fireball“ (1971) und „Machine Head“ (1972) sowie den Hits „Black Night“ (1970) und „Smoke On The Water“ (1973) schrieben sie nicht nur Musikgeschichte sondern beeinflußten die weitere Entwicklung des Heavy-Metal Rocks wie kaum eine andere Band (von Black Sabbath einmal abgesehen). 1976 zog die Band die Konsequenzen aus dem zwischen 1973-1975 rotierenden Personalkarussell und den internen Spannungen zwischen Jon Lord und Ritchie Blackmore. Ritchie hatte sich bereits Anfang 1975 aus der Band verabschiedet und sein eigenes Projekt Rainbow auf die Beine gestellt. Sein Nachfolger Tommy Bolin konnte die Lücke, die Ritchie hinterlassen hatte, nicht schließen und außerdem stieß der ehemalige Gitarrist der amerikanischen Rockgruppe The James Gang (hier hatte er seinerzeit Joe Walsh beerbt) trotz seiner vorhandenen Klasse bei den Purple-Fans auf wenig Gegenliebe. Massive Drogenprobleme verhinderten ein mittelfristiges Hineinwachsen in die Band und bedeuteten letztendlich das Aus für Deep Purple. Das die Gruppe nach der Trennung dennoch nicht in Vergessenheit geriet, bewiesen zum einen die Soloerfolge der einzelnen Mitglieder (u.a. Ritchie Blackmore mit seiner Gruppe Rainbow und Ian Gillan mit seiner Ian Gillan Band), außerdem verkauften sich die alten LPs sowie posthume Veröffentlichungen mit Liveaufnahmen in den folgenden Jahren immer noch recht gut. Weiß er Henker, was die legendäre Mark 2 Besetzung (Ritchie Blackmore, Ian Gillan, Jon Lord, Roger Glover und Ian Paice) veranlaßt hat, Deep Purple 1984 wiederaufleben zu lassen. Zwar hatte sich der musikalische Geschmack des Publikums seit dem letzten D.P. Album im Jahre 1975 massiv verändert, doch Hard- und Heavy-Metal Rock lief nach wie vor sehr gut (siehe die Erfolge von Judas Priest, Iron Maiden, AC/DC, Saxon, Scorpions oder auch Status Quo jener Zeit). Das man von fünf so gestandenen Musikern wie Ritchie Blackmore, Ian Gillan, Jon Lord, Roger Glover und Ian Paice anno 1984 keine musikalischen Neuerungen mehr erwarten konnte, war klar. Auf ihrem Comeback-Album „Perfect Strangers“ spielten sie genau das, was sie am besten konnten, und zwar verdammt gute, packende Rockmusik. Im Prinzip klingen die 8 Stücke dieser LP genau so, was sie schon in den frühen 70er Jahren gespielt haben, nur mit dem Unterschied, daß ihr Rock zeitgemäß und nicht mehr so aggressiv klingt. In den Stücken „Under Th Gun“, „Nobody’s Home“, „Mean Streak“, „A Gypsy’s Kiss“, „Wasted Sunsets“ und „Hungry Daze“ stellen sich das eindrucksvoll unter Beweis. Zwei Stücke ragen heraus: Da ist zum einen der Opener „Knocking At Your Back Door“, mit einem der besten und genialsten Intros ihrer Bandgeschichte überhaupt. Das mit einer Orgel und von Streichern dramatisch anmutende Intro wechselt in einen kraftvollen Rock, der zeigt, daß die Herren nur so vor Spielfreunde glänzen und sie beweisen, daß gradlinige Hard- und Heavymusik durchaus abwechslungsreich und vielschichtig klingen kann. Kurzum, „Knocking At Your Back Door“ ist meines Erachtens eines der besten Stücke im Gesamtwerk der Purples (Das Deep Purple zu jenem Zeitpunkt keine langweiligen alten Rockopas waren, zeigt der Videoclip zu diesem Prachtstück, der Mad-Max-mäßig voll auf der Höhe der Zeit lag). Gleiches gilt auch für das Titelstück „Perfekt Strangers“, das nahtlos an alte, glanzvolle Zeiten anknüpft, eine Prämisse, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht. Die Herren Blackmore, Lord, Gillan, Glover und Paice sind halt ausgefuchste Profis, die wissen, wie gute und mitreißende Rockmusik klingen muß und vor allem, was sie ihren Fans schuldig sind. Ob Deep Purple mit „Perfect Strangers“ seinerzeit auch ein junges, auf Rockmusik fixiertes Publikum angesprochen haben, weiß ich nicht. Alte Deep Purple Fans dürften „Perfect Strangers“ mit sicherlich mit Wohlwollen und zurückhaltender Begeisterung entgegengenommen haben. |