**** Mit ihrem im Spätsommer 1981 veröffentlichten dreizehnten Album „Abacab“ befreiten sich Genesis endgültig von den musikalischen Fesseln der Vergangenheit, klingen sie zugänglicher und kommerzieller wie nie zuvor. Alte Fans werden das Album mit Argwohn entgegen genommen haben, andererseits haben sie mit „Abacab“ eine stattliche Anzahl neuer Fans für sich gewinnen können, die bisher nicht den Zugang zu ihrer Musik gefunden hatten. Der Stilwechsel in kommerzielle Gewässer ist im Grunde nachvollziehbar, denn warum soll eine Gruppe nur für ein kleines Publikum Musik machen und letztendlich an ihren Platten nichts verdienen? Was Collins, Rutherford und Banks auf den beiden Vorgängeralben „...And Then There Were Three“ (1978) und „Duke“ (1980) angedeutet hatten, wurde auf „Abacab“ konsequent weiterentwickelt. Und dieser musikalische Wechsel hievte Genesis nun endgültig in den Status einer Supergruppe. Allerdings klingt vieles auf „Abacab“ gemessen an der Musik der Vergangenheit –oberflächlich betrachtet- eher ernüchternd. Wenn man sich das Gesamtwerk einmal intensiver anhört, dann entdeckt man viele interessante Ansätze. So z.B. das Titelstück „Abacab“, mit dem ich anfänglich meine Schwierigkeiten hatte. Getragen von kräftigen Gitarrenbreaks von Mike Rutherford, Tony Banks mächtigen Keyboardeinlagen und Phil Collins teilweise donnernden Drums und seinem dominierenden Gesang entwickelt sich das Stück rasch zu einem Ohrwurm. Mit „No Reply At All“ betreten Genesis musikalisch Neuland. Mit seinen kurzen und knackigen Bläsereinlagen (gespielt von Earth, Wind & Fire!!) klingt das Stück leicht funky und besitzt echten Ohrwurmcharakter. „Me And Sarah Jane“, „Keep It Dark“, „Lurker“ , „Who Dunnit?“ sind solides Albummaterial, das man sich allerdings mehrmals anhören muß, um Gefallen an ihnen zu finden. „Dodo“ läßt noch einmal ansatzweise die musikalische Vergangenheit aufleben, ohne allerdings dessen Klasse zu erreichen. Richtig klasse und meines Erachtens das beste Stück auf „Abacab“ ist das düstere „Man On The Corner“, im Frühjahr 1982 die dritte Singleauskopplung. Musikalisch erinnert „Man On The Corner“ an „In The Air Tonight“, mit dem Phil Collins 1981 seinen ersten Superhit landen konnte. Dieses Stück kann durchaus mit den großen Genesis Klassiker der frühen 70er Jahre mithalten. Brillant an „Man On The Corner“ ist Phil Collins kraftvoller Gesang und sein streckenweise donnerndes Schlagzeug. „Like It Or Not“ und „Another Record“ sind zwei sehr gute Rockballaden, die allerdings nicht weiter auffallen. Im Großen und Ganzen ist „Abacab“ ein sehr solides Album, welches gemessen an vergangenen Werken eher enttäuscht. Last edited: 01/12/2006 14:25 |