****** Eine der interessantesten deutschen Gruppen der 70er Jahre war ohne Frage Grobschnitt. Gegründet wurde die Gruppe 1970 aus den Überresten der Band Crew. Als erste heimische Gruppe überhaupt verbanden Grobschnitt Rockmusik mit Theaterelementen. So waren ihre bis zu dreistündingen Konzerte geprägt von guter Musik und eingespielten (oder improvisierten?) Sketchen, deren vergnügliche Atmosphäre sofort auf das Publikum übersprang und mehr einem Happening als einem herkömmlichen Rockkonzert glich. Nachteil war, daß diese ausgelassene Stimmung sich nicht auf Platte bannen ließ und so wirkte die hochklassige Musik von Grobschnitt unverdientermaßen wie ein Abklatsch englischer und amerikanischer Vorbilder und wurde vom großen Publikum einfach überhört. Während andere deutsche Gruppen mit einer gewissenhaften Ernsthaftigkeit bei der Sache waren, war bei Grobschnitt Humor stets Trumpf. Und wenn man sich ihre LP’S einmal anhört, dann merkt man das auch, spürte man bei ihrer Musik, auch bei ernsthaften Themen, stets die positive Lebensfreude der Musiker und ihre Freude an der Musik. Genau das ist es, was ihre Platten so erfrischend und einzigartig macht. 1972 erschien ihr Debütalbum, kurz „Grobschnitt“ betitelt. Unter der Regie des Ex-Rattles Frank Mille spielten Gerd Kühn (Gitarre), Stefan Danielzak (Gitarre, Gesang), Hermann Quetting (Keyboards, Piano), Bernhard Uhlemann (Baß, Flöte), Axel Harlos (Schlagzeug, Percussion) und „Joachim „Eroc“ Ehrig (Schlagzeug, Percussion, elektronische Effekte) eine für damalige Zeit für deutsche Rockgruppen typische Musik. Das heißt, die Stücke waren teilweise sehr lang, mit einem breiten Raum für Improvisationen, mit Elementen, die man von international bekannten Bands wie Yes, Genesis oder Pink Floyd kannte. Das die Musik auf dem Debütalbum allerdings nicht wie ein Abklatsch bekannter Vorbilder sondern durch und durch eigenständig klingt, spricht für das Selbstbewußtsein und der Kreativität der Grobschnitts. „Symphony“ und „Sun Trip“ sind Stücke in epischer Breite, mit ausgefeilten, kniffligen Arrangements. In dem epischen „Sun Trip“ beweisen Grobschnitt, daß sie äußerst humorvoll als auch ernsthaft sein können. Im Intro „Am Ölberg“ wird eine biblisch anmutende Geschichte äußerst humorvoll erzählt, während sich die Grobschnitts im darauffolgenden Teil „On The Way“ mit dem Thema Krieg und dem damals allgegenwärtigen Vietnamkrieg beschäftigen. Das 13:44 Minuten lange „Symphony“ ist ein Instrumental, auch wenn zu Anfang einige kaum verständliche Wortfetzen zu hören sind. Im zweiten Teil mutet das Stück, Nomen est omen, gar symphonisch an. Das sowohl „Symphony“ als auch „Sun Trip“ keine Klangkollagen waren, bewiesen die Musiker bei ihren Konzerten, wo sie die Stücke mühelos reproduzierten und variierten. Abgerundet wird das vorzügliche Album durch die beiden kürzeren Stücke „Travelling“ und „Wonderful Music“. Besonders markant ist das Cover von Günter Blum, das wie ein surreales Werk von Salvatore Dali anmutet. Das Cover und die Musik machen „Grobschnitt“ zu einem einzigartigen Werk der deutschen Rockmusik der frühen 70er Jahre. Wer einmal etwas ganz Besonderes aus dieser Zeit entdecken möchte, der sollte unbedingt einmal in dieses phantastische Album reinhören. Die teilweise verschachtelte Musik wird nie langweilig und auch nach wiederholtem Anhören gibt es immer wieder neue Sachen zu entdecken. |