****** Obwohl der am 27.02.1951 als Steven Nice geborene Sänger und Songwriter Steve Harley die besten Voraussetzungen zum Superstar hatte, währte seine Erfolgsphase gerade einmal knapp drei Jahre. Per Zeitungsinserat suchte er 1973 Musiker für eine Band, die unter dem Namen Cockney Rebel an den Start ging. Die Gruppe brauchte nicht lange auf einen Plattenvertrag warten, in EMI fand sie gleich einen Vertriebspartner und veröffentlichte 1973 ihre erste LP „The Human Menagerie“. Gleichzeitig war Cockney Rebel eine der letzten Gruppen, die mit Glamrock erfolgreich war. Allerdings unterschied sich Cockney Rebel musikalisch erheblich von anderen Gruppen dieses in der ersten Hälfte der 70er Jahre so erfolgreichen Genres. Steve war ein außergewöhnlicher Songwriter, der mit seiner manchmal etwas ungelenk wirkenden Stimme den Liedern eine ganz besondere Note verlieh. Musikalisch konnte man Cockney Rebel irgendwo zwischen David Bowie und Mott The Hoople einordnen. Mit der ersten Single „Sebastian“ landete die Gruppe Anfang 1974 einen internationalen Achtungserfolg. In England konnte sich die Single nicht durchsetzen. Um die Gruppe auch dem englischen Publikum schmackhaft zu machen, startete die EMI in England eine Werbekampagne für Cockney Rebel. Der Erfolg ließ dementsprechend nicht lange auf sich warten, mit „Mr. Soft“ und „Judy Teen“ landete die Gruppe 1974 zwei Top 10 Hits in der englischen Hitparade. Obwohl die Gruppe vorzügliche Musik machte, ließen die englischen Musikkritiker kein gutes Haar an ihr bzw. an Steve Harley. Vor allem sein Selbstbewußtsein und sein oft provokantes Auftreten stieß bei der schreibenden Zunft auf Ablehnung. Allerdings war die Ablehnung nur von kurzer Dauer, mit der zweiten LP „Psychomodo“ konnten Steve und seine Musiker einen Großteil der Musikkritiker von ihren Qualitäten überzeugen. Ende 1974 besetzte der exzentrische Steve Harley bis auf Schlagzeuger Stuart Elliot Cockney Rebel neu. Mit Jim Cregan (Gitarre), Duncan McKay (Keyboard) und George Ford (Baß) spielte er 1975 unter dem Namen Steve Harley & Cockney Rebel die LP „The Best Years Of Our Lives“ ein. Die daraus ausgekoppelte Single „Make Me Smile“ kam im März 1975 bis auf Platz 1 der englischen Hitparade. Mit diesem Erfolg hatte Steve auch schon den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Obwohl Steve und seine Mannen mit „Timeless Flight“ (1975), „Love’s A Prima Donna“ (1976) und dem Livealbum „Face To Face“ (1977) noch drei weitere hervorragende Werke einspielten und mit „Mr. Raffles (Man It Was Mean)“ (1975) und „Here Comes The Sun“ (1976) noch zwei Singlehits verbuchen konnten, war der Abwärtstrend nicht zu stoppen. Ab 1978 löste Steve Harley die Gruppe auf und trat nur noch als Solist in Erscheinung. Obwohl er einige sehr gute Werke einspielte, konnte er an die Erfolge der Jahre 1974 bis 1976 nicht mehr anknüpfen. Der 1987 erschienene Sampler „Greatest Hits“ beinhaltet neben den Hits „Sebastian“, „Mr. Soft“, „Judy Teen“, „Make Me Smile“, „Mr. Raffles (Man It Was Mean)“ und „Here Comes The Sun“ einige interessante Titel aus den Cockney Rebel-Alben „The Psychomodo“ („Psychomodo“, „Sling It“ und „Tumbling Down“), „The Best Years Of Our Lives“ („Mad, Mad, Moonlight“ und „The Best Years Of Our Lives“), „Love’s A Prima Donna“ („Love Compared With You“ und „Love’s A Prima Donna“) und dem Steve Harley Soloalben „Hobo With A Grin“ („Riding The Waves“) aus dem Jahre 1978 und „The Candidate“ („Freedom’s Prisoner“) aus dem Jahre 1979. Sicherlich hätte man diese Kollektion noch mit Titeln wie z.B. „Hideaway“, „Red Is A Mean, Mean Colour“ oder „I Wish it Would Rain“ anreichern können. Aber auch mit den vorhandenen 16 Titeln ist „Greatest Hits“ eine exzellente Zusammenstellung und bietet fast eine Stunde lang beste Unterhaltung. Wenn man sich mit Titeln wie z.B. „Sebastian“, „Tumbling Down“, „Mr. Soft“, „Judy Teen“, „Make Me Smile“, „Best Years Of Our Lives“ und „Love’s A Prima Donna“ mal näher beschäftigt wird man feststellen, was für ein vorzüglicher Songwriter dieser Steve Harley war und was für klasse Musiker ihm zur Seite standen. Ein gutes Beispiel dafür ist sein größter Hit „Make Me Smile“. Was bei anderen einfach nur banal und platt geklungen hätte, erweist sich bei ihm (nach mehrmaligen Anhören) als ganz gemeiner Ohrwurm, einfach grandios. Und über die Klasse von „Sebastian“ und „Tumbling Down“ braucht man nicht groß diskutieren. Wer einmal ein ganz großes Stück 70er Jahre Musik für sich entdecken (oder wiederentdecken) möchte, der liegt mit „Greatest Hits“ von Steve Harley & Cockney Rebel goldrichtig. Last edited: 08/03/2011 17:43 |