****** Was anderen Künstlern vielleicht nur einmal in ihrer gesamten Karriere gelingt, legte Stevie Wonder in den 70er Jahren reihenweise vor: Einen musikalischen Höhepunkt nach dem anderen. Sein im Spätsommer 1974 erschienenes Album „Fulfillingness‘ First Finale“ beeindruckt einmal mehr durch die nahezu perfekten Kompositionen, die raffinierten Arrangements und die ausgefeilte Produktion. Diese Tatsache ist um so bemerkenswerter, wenn man sich einmal vor Augen hält, daß dieses Album das dritte Werk in nur knapp zwei Jahren ist. Stevie Wonder muß zu jenem Zeitpunkt ein echtes Arbeitstier gewesen sein, wenn man bedenkt, daß er ein Klassealbum nach dem anderen vorlegte und darüber hinaus auch noch Tournee ging. „Fulfillingness‘ First Finale“ war erst einmal zwei kapitale Singlehits ab und zwar „You Haven’t Done Nothin‘“ und „Boogie On Reagge Woman“. Kannte man Stevie Wonder bisher überwiegend als Verfasser von Liedern zum Thema Liebe, so nahm er in „You Haven’t Done Nothin‘“ politisch Stellung. In diesem packenden Lied klagte er die Nixon Regierung an, einfach nichts getan zu haben. Meistens hat es einen schalen Beigeschmack, wenn Superstars zu politischen Themen ihre Meinung kund tun, klingt das sehr oft nach Geldschneiderei. Nicht so bei Stevie Wonder. Das im „Superstition“-Stil gehaltene Lied wird von Stevie äußerst glaubwürdig interpretiert, klingt es doch wie eine wütende Anklage gegen eine korrupte und abgewirtschaftete Regierung. Damit sprach er vor vielen Amerikanern aus der Seele und so ist es kein Wunder, daß „You Haven’t Done Nothing“ im Herbst 1974 eine Nummer 1 in der amerikanischen Hitparade wurde. Die zweite Singleauskopplung „Boogie On Reggae Woman“ ist musikalisch völlig anders gelagert. Hier ist der Stevie Wonder am Werk, den man seit vielen Jahren kennt und schätzt. Das Lied kommt völlig unspektakulär daher und plätschert friedlich vor sich hin. Was im Moment etwas belanglos wirkt, entpuppt sich nach und nach als ziemlich gemeiner Ohrwurm, dessen Faszination man sich nur schwer entziehen kann. Nach den gleichen Kriterien wie die beiden Hits sind auch die restlichen Lieder „Smile Please“, „Heaven Is 10 Zillion Light Years Away“, „Too Much Shy To Say“, „Creepin‘“, „It Ain’t No Use“, „They Won’t Go When I Go“, „Birds Of Beauty“ und „Please Don’t Go“ aufgebaut. In den insgesamt 10 Stücken kann der Meister einmal mehr seine musikalische Genialität ausleben und zwingt aufgrund der musikalischen Vielfalt einmal mehr, daß man sich längerfristig mit dem Album beschäftigt. „Fulfillingness‘ First Finale“ ist ein tolles Album, das nicht nur Stevie Wonder Fans sondern auch all denen gefallen wird, die gute Musik zu schätzen wissen. |